Die Instrumentelle Besamung
von Bienenköniginnen

 
 

Bienenköniginnen vollziehen ihren Paarungsakt im Gegensatz zu anderen Insekten wie Wespen und Hummeln ausschließlich im freien Flug. Damit entziehen sie sich der Beobachtung und Kontrolle des Imkers. Ohne kontrollierte Paarung wird aber die Zuchtarbeit sehr erschwert. Dies bezieht sich nicht nur auf den Honigertrag, sondern auch auf Leistungsmerkmale wie Friedfertigkeit, Krankheitsresistenz u.a.


Diese Besonderheit liefert den Hauptgrund dafür, daß die Besamung der Bienenkönigin instrumentell mit einer Besamungsspritze vorgenommen wird und das verwendete Sperma aus geprüften Herkünften stammt. Die Technik wurde inzwischen perfektioniert und zahlreiche Wissenschaftler, Bienenzüchter wie auch Honigproduzenten wenden diese Technik erfolgreich an.


Nach einer neuen umfangreichen Studie von Susan Cobey (Apidologie 38 (2007) 390-410) stehen instrumentell besamte Königinnen den natürlich begatteten in keiner Weise nach. Sie erweisen sich sogar als leistungsfähiger, wenn sich der kurze Eingriff nur auf die Spermaübertragung beschränkt, dabei fachgerecht vorgegangen wird und alles andere weitestgehend natürlich abläuft. Als Fehlermöglichkeiten kommen unzulängliche Haltungsbedingungen für Königinnen und Drohnen sowie mangelnde Spermaqualität in Betracht. Letzteres kann wegen der geringen Menge und des besonderen Aufwandes routinemäßig nicht überprüft werden. Deshalb ist auf die Auswahl der zur Besamung herangezogenen Drohnen und das visuelle Bild des aufzunehmenden Spermas besondere Aufmerksamkeit zu lenken.


Die Gewinnung von Bienensperma ist zeitaufwendiger als der Besamungsvorgang selbst. Das Aufsaugen einer Spermaportion von 8 - 10 Mikroliter in die Glaskapillare der Spritze, wozu etwa 8 -12 reife Drohnen erforderlich sind, dauert schon 5 Minuten. Besamt wird mit Frischsperma, wobei Aufbewahrungzeiten bei Zimmertemperatur von 2 bis 4 Wochen möglich sind. Der Besamungszeitpunkt kann deshalb zeitlich von der Spermagewinnung getrennt werden. Das unbeschränkte Einfrieren des Drohnenspermas in flüssigem Stickstoff ist jedoch nicht genügend erforscht und kann bisher noch nicht angewendet werden.


Die Besamung der Königin nimmt etwa 2-3 Minuten in Anspruch. Der Gesamtaufwand für alle Vorbereitungen, durchzuführenden Handhabungen und Zubringerdienste ist jedoch nicht zu unterschätzen. Die genannten Zeiten, die variieren können, lassen sich deshalb nicht ohne weiteres auf die zur Verfügung stehende Zeit des Arbeitstages hochrechnen.


Um die Besamung durchführen zu können, sind ein Stereomikroskop sowie ein eigens für diesen Zweck konzipiertes Besamungsgerät u.a. Hilfsmittel erforderlich. Während des Besamungsvorganges wird die Königin im Halteröhrchen des Besamungsgerätes mit Kohlensäuregas ruhiggestellt.


Von den Besamungsgeräten gibt es zwei Ausführungen. Entweder man entscheidet sich für eine komplette Ausrüstung (siehe obige Abbildung) oder stellt die Komponenten selbst zusammen.

Während das Komplettgerät 1.04 als fertiges Paket mit Mikroskop, Kaltlicht und Narkosevorrichtung für Kohlensäuregaskapseln ausgeliefert wird, muß das Einzelgerät 1.02 entsprechend nach eigenen Wünschen und Vorstellungen komplettiert werden. Verschiedene Ausbaustufen sind möglich.  Standardmäßig wird die SCHLEY-Spritze geliefert. Falls der Versand von Sperma in Betracht kommt,  ist die Spritze nach HARBO zu empfehlen.




Links ist das leichtere Instrument des Komplettgerätes 1.04  abgebildet, das auf einer Arbeitsplatte unter dem Mikroskop befestigt wird.  Rechts ist das Besamungsgerät 1.02 zu sehen. Dieses Instrument zeichnet sich dadurch aus, daß es Stativfüße besitzt, die Kugelgelenke aufwendiger gestaltet, die individuellen Verstellmöglichkeiten größer sind und der komfortable Stachelgreifer für die Öffnung der Stachelkammer der Königin serienmäßig enthalten ist. Die Funktionsteile beider Modelle sind weitgehend identisch.


Die erforderlichen Gerätschaften werden auf meiner Hauptseite


            www.besamungsgeraet.de


ausführlich behandelt. Auch die einzelnen Arbeitsabschnitte der Handhabung des Verfahrens werden hier an Hand von Bildern Schritt für Schritt aufgezeigt. Darüber hinaus bietet diese Seite zum Thema viele wichtige Informationen.

                       

Peter Schley




Prof. Dr. Peter Schley

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