Alte Technik auf neuen Stand gebracht

Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?

Die von mir gebauten Besamungsgeräte gehen auf das von Prof. Ruttner
vorgestellte Standardgerät zurück, das 1974 in der mehrsprachig erschienenen Apimondia-Broschüre vorgestellt wurde. Die Bedienung war zu damaliger Zeit noch sehr schwierig. Die Stachelkammer wurde von der rechten Seite mit einem Löffelhäkchen aufgehalten, und mit der Handsonde wurde der Weg für die Einführung der Besamungskanüle freigelegt. Seit Ende der 1970er Jahre sind von mir eine ganze Reihe von technischen Verbesserungen eingeführt worden. Insbesondere trugen der Seitentrieb, die Querverstellung, der Lochhaken und der Stachelgreifer zur Erleichterung der Handhabung bei. Auch die Besamungsspritze wurde völlig neu konstruiert und ersetzte die Membranspritze mit nur geringer Kapazität.
Inzwischen konnte auf die zusätzlichen und aufwendig herzustellenden Hilfen Seitentrieb und Querverstellung aufgrund unserer heutigen Erfahrungen wieder verzichtet werden. Für Anfänger mögen sie nach wie vor nützlich sein, komplizieren aber auch die Bedienung. Nach einer kurzen Eingewöhnung sind sie  jedoch nicht mehr erforderlich.

Einige Abmessungen am Gerät sollten aber korrigiert werden.

Da diese hochwertigen Instrumente wie auch die Mikroskope, die Lichtquellen u.a. inzwischen an die nächste Imkergeneration weitergeben werden und die neuen Besitzer sich damit nicht  auskennen können, werden nachfolgend einige Hinweise gegeben, damit alles wieder auf den heutigen Stand gebracht werden kann. Viele Teile wurden mit einfachen Maschinen und aufwendiger Handarbeit einzeln angefertigt.

Anhand von drei Fotos eines Besamungsgerätes aus dem Jahre 1984 sollen die wichtigsten Punkte behandelt werden. Selbst nach 33 Jahren funktioniert noch alles!

Die Querverstellung  4  erlaubt die seitliche Bewegung der Besamungsspritze auch dann noch,  wenn die Kanüle bereits im Geschlechtsweg angekommen ist.

 

Hier ist mein Seitentrieb  3  zu sehen. Er erlaubt die seitliche Verstellung. Diese war damals sehr hilfreich, weil die Spritze flacher geführt wurde und mit der Winkel – Stellschraube (ist zwischen 3 und 4 im obigen Bild zu sehen) die sogenannte Scheidenklappe nicht bequem zur Seite gedrückt werden konnte. Die Kanülenspitze wird dabei etwas herausgehoben, was bei steiler Stellung der Spritze nicht der Fall ist.

Im vorliegenden Fall wurden fogende Änderungen vorgenommen:

1:  Kugelführungen auf 5,1 mm aufbohren, Überwurfmutter auf 5,2 (für bessere
Gleiteigenschaften). 8 Stück O-Ringe anstelle der alten Dichtschnur, die im Laufe der Zeit verhärten (Dichtomatik, O-Ring NBR 70, 5 x 1,2 mm, Art. 3933).

2:  Diese Spritze besitzt ein längeres Spritzengehäuse. Der Zylinder wird hier von der Unterseite eingeführt. Das Gehäuse muß an der Zylindereintrittsseite 9 mm tief auf Ø 7 mm aufgebohrt werden, damit die neuen Zylinder hineinpassen (aus 1 ml Einwegspritzen Omnifix-F von BRAUN Melsungen angefertigt). Die Spitze hat ein M3-Gewinde. Die Überwurfmutter (wo sich die weiße 2 befindet) hat eine Schrägbohrung und arbeitet als Kippmuter. Das Gewinde läßt sich ausklinken und die Mutter kann hin- und herbewegt werden. Wenn die flache Rändelscheibe (direkt am Drehknopf zu sehen) an die Überwurfmutter angedreht wird, so kann auch mit dem Gewindeteil des Spritzengehäuses gearbeitet werden, das ein größere Steigung aufweist. Die heutigen Spritzen mit Innen-Ø 7mm sind kürzer, haben ein M4-Gewinde und passen auch an das alte Gerät. Falls ältere Spritzen Ø 6,8 mm aufweisen, so sind sie an beiden Seiten ebenfalls auf 7 mm aufzubohren .

3-4:  Wurde oben schon beschrieben.

5:  Hier befindet sich der Drehknopf noch unten. Er wurde später hoch gesetzt, da somit ein längerer Spritzenweg nach oben erreicht wird, was vorteilhafter ist als nach unten. Die Gängigkeit des Triebes wird durch eine Federscheibe am Drehknopf geregelt. Falls sich der Spritzenhalter von selbst absenken sollte, so liegt das an der nachlassenden Spannung. Wie hierbei im einzelnen vorzugehen ist wird vorn im Kapitel „Fragen und Antworten“ behandelt. Bei den neueren Geräten kann dieser Vorgang von außen ohne Montage erledigt werden.

6:  Die Häkchenhalter hatten damals noch keinen Luerkonus. Die Häkchen im Ø 1 mm werden mit der Zange in den Kunststoffpropfen eingedrückt.  Das Gerät ist mit einem Lochhaken der ersten Generation aus Neusilber ausgestattet, der später vom Vorbesitzer nachgekauft wurde. Mein Lochhaken fand eine weltweite Anwendung. Er wird heute noch verwendet.

7:  Die Haltesäulen erhielten bei dieser Gelegenheit breitere M6-Unterlegscheiben.

8:  Der Königinnenhalter aus Plexiglas entspicht hier noch der Vorgabe nach Prof. Ruttner. Das Vorderteil mit der Haltescheibe läßt sich abziehen. Beim Abnehmen ist unten anzufassen und nicht am Röhrchen zu ziehen, da der Stopper schnell abbricht, was immer wieder passierte (später wurde das Teil aus bruchfestem Delrin mit 2  O-Ringen angefertigt). Bei den heutigen Königinnenhaltern ist das Abbrechen nicht mehr möglich. Das Königinnenhalteröhrchen wurde damals auch zu eng ausgelegt.  Das Röhrchen ist deshalb aufzuweiten (jetzt Innen-Ø 7,00-7,05 mm, 23 mm tief, danach Verjüngung zur Lochöffnung auf Ø 5 mm). Das ist wichtig! Ein neues Ersatzröhrchen ist empfehlenswert. Hinzuweisen ist, daß Plexiglas (Acrylglas) nicht mit Lösungsmitteln und Alkohol in Berührung kommen darf und auch nicht mit anderen Teilen zum Zwecke der Sterilissation in den Dampfkochtopf gehört, was übrigens nicht erforderlich ist.

9:  Das Grundgestellt war damals so bemessen, daß es über die flache Stativplatte des Stereomikroskops gestülpt werden konnte. Hier wurde nicht das damals empfohlene Modell Zeiss D benutzt, sondern ein anderes Fabrikat. Der Besitzer erhöhte deshalb die Fußhöhe um 10 mm indem er eine Leiste an der Unterseite anbrachte. Heute erweisen sind große Stativbreite und hohe Füße als unpraktisch und werden deshalb nicht mehr benötigt.

Das wären die wichtigsten Gesichtspunkte, die bei der Herrichtung eines alten Gerätes zu beachten sind.  Bei einer Überholung sind bewegliche Teile mit  Waschbenzin zu säubern. Die Funktionsfähigkeit aller Triebe ist zu überprüfen, gegebenenfalls demontieren, reinigen und neu fetten. Hier kommt nur ein Spezialfett in Betracht, das altersbeständig ist und eine hohe Zügigkeit aufweist  (z.B. Losoid Sonderfett 6308/81-C von Losimol Hannover, zu beziehen bei mir oder der Firma Wachholz).

Die alte Glasfaserlampe KL 75

Die lange Zeit gebaute 75W-Lampe funktioniert bis heute vorzüglich, und es besteht kein Grund, diese durch moderne LED-Lampen zu ersetzen. Der eingebaute leise Ventilator von Papst sorgt für die Wärmeableitung, und das aufwendige Kondensorsystem mit Wärmeschutzfilter sowie der Glasfaserlichtleiter in unterschiedlichen Abmessungen filtern die schädliche UV-Strahlung weg. In dieser Beziehung ist sogar eine höhere Sicherheit zu erwarten als bei heutigen LED-Birnen manch unbekannter Hersteller. Die Lampe ist so leistungsfähig, daß sogar Lichtleiter bis zu 2 Meter Länge bei einem aktiven Ø von nur 3,2 mm zum Einsatz kommen können (mit Birne OMNILUX MR-16 12V/75W GX-5,3 SP 13 EYF Open). Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingwiesen, daß bei einigen Geräten nicht die runde Aufsteck-Fassung Nr. 5,3 eingebaut wurde, sondern die 668 (mit 2 Öffnungen zum Anschrauben), in die sich die Birne nicht so leicht einstecken läßt. Sie sollte ausgetauscht werden.

Verwendbare Ersatzbirnen anderer Typen im Ø 50 mm sind leicht zu beschaffen. Birnen von 50 Watt sind gleichfalls zu benutzen. Selbstverständlich sind auch moderne LED-Birnen geeignet. Der Abstrahlwinkel sollte möglichst klein gewählt werden.  Gehäuseteile, Kondensor und die Lichtleiter stammten übrigens von der Firma Helmut Hund (Wetzlar). Mit Hilfe der dazugehörenden Haltevorrichtung mit Kreuzgelenk kann der Lichtstrahl je nach Bedarf ganz exakt auf die gewünschte Stelle gelenkt werden.

Schley – Dosierspritze

Die Dosierung der Spermaportionen läßt sich mit einem angehaltenem Papierstreifen, mit einem angehefteten Klebestreifen oder einer Markierung am Drehknopf einfach durchführen.

Trotzdem besteht nach wie vor der Wunsch nach einer genauen Dosiermöglichkeit an der Spritze selbst. Die gezeigte wartungsfreie und einfach zu bedienende Spritze stammt aus den 80er Jahren. Da der technische Aufwand für die ganze Ausrüstung ohnehin erheblich ist und der Preis einer solchen Spritze wesentlich höher ist, wurde sie nicht in das reguläre Programm aufgenommen. Nur einige Muster wurden damals angefertigt. Sollte eine Nachfrage zustandekommen, so käme eine Neuauflage in betracht. Es handelt sich praktisch nur um eine stärker dimensionierte Überwurfmutter mit einem beweglichen Innenteil, dessen Drehung durch eine Madenschraube exakt begrenzt wird. Es handelt sich aber um Präzisionsteile, die nicht so einfach herzustellen sind.

 

Das Innenteil (1) wurde aus einer Gewindestange M12 x 12 mm mit der Steigung 1,75 angefertigt. Die Länge beträgt 12 mm.
Die Hülse (2) hat einen Ø 14 mm, abgedrehter Teil ohne Rändelung 13 mm, Länge 19 mm. Gewindetiefe 14 mm. Hinten befinden sich 4 Gewindebohrungen für eine Made M1,8 x 8 mm. Das Innenteil wird gut gefettet (Losoid Sonderfett, siehe oben).

Um die Dosierung für 1 Drohn (10 mm Spermasäule in der 50µl-Kanüle mit grüner Ringmarke) hinzugekommen, muß die Gewindespindel mit der Gewindehülse während der Injektion blockiert werden, da sich sonst der Hub bei beweglicher Gewindespindel veringert. Das Problem ist ganz einfach mit einer flachen Rändelmutter zu lösen, die in geringem Abstand zum Dosierkopf mitläuft. Damals erfolgte die Blockierung ohne Rändelmutter, indem die Gewindespindel mit dem Zeigefinger gegen die Hülse (2) gedrückt wurde.

Der Dosierkopf wird zuerst „geladen“, in dem bis zum Anschlag nach links gedreht wird. In dieser Stellung wird mit der Spritze normal gearbeitet. Wenn genügend Sperma gesammelt wurde dann wird das Sperma wie üblich in der Besamungskanüle nach von bewegt.
Sobald das Sperma eingeführt werden soll wird die locker vor dem Dosierkopf befindliche Rändelscheibe etwas angedreht, und jetzt kann der Dosierknopf bedient werden indem er nach rechts bis zum Anschlag gedreht wird. Da das M12-Gewinde eine recht hohe Steigung aufweist, ist nur eine kleine Drehbewegung erforderlich, weniger als bei der Standardspritze.